Stockhausen, Karlheinz
Deutscher Komponist
Karlheinz Stockhausen (geb. 22. 8. 1928 in Mödrath bei Köln, gest. 5. 12. 2007 in Kürten) war einer der bedeutendsten Komponisten serieller Musik. Studium an der Musikhochschule Köln (Klavier, Schulmusik) und an der Universität (Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaft), später Kurse für Rhythmik und Ästhetik bei Olivier Messiaen in Paris und Studium der Phonetik und Kommunikationsforschung bei Werner Meyer-Eppler in Bonn. Seit 1950 Komposition von 362 Werken, viele Uraufführungen leitete Stockhausen selbst als Dirigent oder Klangregisseur. Auf der Weltausstellung in Osaka (1970) wurden viele seiner Kompositionen in einem vom Komponisten entworfenen Kugelauditorium vor über einer Million Zuhörern aufgeführt.
Stockhausen war Dozent der „Internationalen Ferienkurse für Neue Musik“ in Darmstadt (1953-74; 96) sowie Inhaber mehrerer Gastprofessuren in der Schweiz, den USA, Finnland, Holland und Dänemark und wurde 1971 zum Professor für Komposition an der Musikhochschule Köln ernannt. Er war Ehrendoktor der Freien Universität Berlin und der Queen’s University Belfast sowie Mitglied von 12 internationalen Akademien der Künste und Wissenschaften. Ab 1998 unterrichtete er bei den jährlich stattfindenden "Stockhausen-Kursen" in Kürten.
In seinen frühen Werken strebte Stockhausen die streng serielle Organisation des musikalischen Materials an. Die Probleme, die sich aus den begrenzten Klangmöglichkeiten traditioneller Instrumente und der mangelnden Präzision menschlicher Spieler für eine chromatische Abstufung von Parametern wie Klangfarbe oder Tempo ergaben, machten die neuen technischen Möglichkeiten elektronischer Klangerzeugung attraktiv. So wurde Stockhausen zu einem Pionier der elektronischen Musik und war 1963-77 künstlerischer Leiter des „Studios für Elektronische Musik“ des WDR Köln. Andererseits integrierte Stockhausen zunehmend auch freie, nicht seriell vorbestimmte Elemente in seinen Kompositionen, zunächst in Form von Einschüben, später indem er in seiner "intuitiven Musik" die Ausgestaltung einer kompositorischen Idee weitgehend dem ausführenden Musiker überließ. Um 1970 entwickelte Stockhausen die "Formelkomposition", in der die strengen musikalischen Reihen komplexeren Formeln wichen, die den Bauplan einer Komposition mit allen Proportionen wie eine Art Zellkern beinhalten. Die Formelkomposition erlaubt die Synthese von serieller Prädisposition und der freieren, intuitiven Ausgestaltung einzelner Teile. Der Opernzyklus "Licht" ist die monumentalste Formelkomposition. Er besteht aus 7 Opern, dauert 29 Stunden und wurde aus einer dreistimmigen Superformel abgeleitet.
Auszeichnungen (Auswahl)
- Bundesverdienstkreuz (1974)
- Commandeur dans l’Ordre des Arts et des Lettres (1985)
- Siemens-Musikpreis (1986)
- Picasso-Medaille der UNESCO (1992)
- Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (1992)
- Bach-Preis Hamburg (1995)
- Kulturpreis Köln (1996)
- Polar Music Prize (2001)
Werkauswahl
- Studie I/II (elektronische Musik; 1953-54)
- Gruppen für drei Orchester (1955)
- Gesang der Jünglinge (1955-56)
- Kontakte für elektronsiche Klänge (1958-60)
- Carré für vier Orchester und vier Chöre (1959-60)
- Hymnen (elektronische und konrete Musik mit 4 Solisten; 1966-67)
- Aus den sieben Tagen (intuitive Musik; 1968)
- Mantra für 2 Pianisten (Formelkomposition; 1970)
- Inori (Anbetung für einen oder zwei Solisten und großes Orchester; 1973-74)
- Tierkreis (12 Melodien der Sternzeichen; 1974-75)
- Licht: Die sieben Tage der Woche für Solo-Stimmen, Solo-Instrumente, Solo-Tänzer, Chöre, Orchester, Ballett und Mimen, elektronische und konkrete Musik (1977-2003)
- Klang: Die 24 Stunden des Tages (2004-?, die 1.-4. Stunde sind bereits uraufgeführt)
Weitere Informationen zu Leben und Werk sowie den Stockhausen-Kursen auf www.stockhausen.org
JoVo
Letztes Update 08.12.2007 | CopyrightŠ Johannes Voit 2006 |

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